Das elektronische Patientendossier

Das Gesundheitswesen verlangt heute nach innovativen Versorgungsformen, um der Schweizer Bevölkerung auch in Zukunft eine hohe Qualität in der Gesundheitsversorgung zu garantieren. Die Unterstützung der Abläufe durch ein elektronisches Gesundheitsdatenmanagement, wie es das elektronische Patientendossier bietet, ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Mit ihren fortschrittlichen elektronischen Lösungen, ihre nationalen Verankerung und Innovationskraft hat sich die Schweizerische Post seit frühester Stunde der eHealth-Thematik angenommen und trägt dazu bei, die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern. In diesem Sinne unterstützt die Post die Einführung eines elektronischen Patientendossiers in der Schweiz. Der Bund verabschiedete 2007 die «Strategie eHealth Schweiz». Unter eHealth versteht man den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Gestaltung, Unterstützung und Vernetzung aller Prozesse und Teilnehmer im Gesundheitswesen.

Strategie eHealth Schweiz

Kernelement der eHealth-Strategie ist der Aufbau eines dezentral geführten elektronischen Patientendossiers. Alle in der Schweiz wohnhaften Personen sollen gemäss den Absichten des Bundesrats bis zum Jahr 2015 Zugang zu ihrem individuellen Patientendossier erhalten. Das elektronische Patientendossier vernetzt Ärzte, Spitäler, Apotheken, Labors und die Pflege sowie weitere Akteure im Gesundheitswesen und ermöglicht ein effizientes Kommunikations- und Informationsmanagement. Patientinnen und Patienten machen medizinischen Fachpersonen ihrer Wahl, unabhängig von Ort und Zeit, relevante Informationen online zugänglich. Damit werden die Selbstbestimmung des Patienten gefördert und die Behandlungsprozesse im Gesundheitswesen sicherer und effizienter. Ausserdem können Fehler aus der Informationsübermittlung vermieden und dadurch die Qualität der Versorgung verbessert werden.

ePatientendossiergesetz

Mit dem Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier sollen eine Gesetzeslücke auf nationaler Ebene geschlossen und die Rahmenbedingungen zur Umsetzung der eHealth- Strategie festgelegt werden. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) damit beauftragt, eine Botschaft und einen Gesetzesentwurf auszuarbeiten. Diese werden bis Mitte 2013 erwartet. Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier soll die Anforderungen für eine sichere Bearbeitung von Gesundheitsdaten im elektronischen Patientendossier regeln. Ausserdem sollen die technischen Vorgaben festgelegt werden, die einen standardisierten Datenaustausch auf nationaler Ebene ermöglichen.

Die Rolle der Schweizerischen Post

Informationen und Daten vertraulich zu behandeln, Sender und Empfänger zu identifizieren sowie Informationen und Daten zuverlässig und sicher zu vermitteln, gehören zum Kerngeschäft der Post. Als eine der weltweit innovativsten Post- gesellschaften hat sich die Post schon früh mit der Digitalisierung des physischen Datenverkehrs auseinandergesetzt – auch im Gesundheitswesen. Jährlich werden von der Post über 200 Millionen Dokumente im Bereich der Gesundheit – von Rechnungen bis hin zu medizinischen Daten – als physische Sendungen sicher an ihr Ziel gebracht. Auch in der Zukunft stellt die Post den Austausch von medizinischen Daten für ihre Kundinnen und Kunden aus der Bevölkerung und aus dem Gesundheitswesen sicher. Sie tut das mittels des elektronischen Patientendossiers vivates, auf das mit Zugangsschlüsseln wie der SuisseID oder der Versichertenkarte zugegriffen werden kann.

Das ePatientendossier der Post vivates

ist mehr als nur eine Plattform zur Ablage medizinischer Daten. Es wurde zusammen mit dem Kanton Genf entwickelt und berücksichtigt die spezifischen Gegebenheiten in der Schweiz sowie internationale Standards. Als dezentrales System ist vivates zugleich eine Kommunikationsplattform die den Dialog zwischen den verschiedenen Nutzern ermöglicht.

Datenschutz hat höchste Priorität

Ziel ist es, eine patientenzentrierte Datensicht zu ermöglichen, um die benötigten, über den gesamten Versorgungsprozess verteilten Informationen bereitzustellen. Die Daten verbleiben dabei bei den behandelnden Akteuren. Erst bei einem vom Patienten bewilligten Zugriff können die Daten zugänglich gemacht, abgerufen und weiterverarbeitet werden. Dabei erhält der Schutz sensibler Daten höchste Aufmerksamkeit. Ein gemeinsam mit Bund und Kantonen und dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) erarbeitetes Berechtigungskonzept klassifiziert die Daten in verschiedene Vertraulichkeitsklassen und stellt damit sicher, dass nur berechtigte Personen die Daten einsehen können.

«e-toile» als Vorreiter

Im Kanton Genf wurde im Februar 2011 in vier Genfer Gemeinden in Zusammenarbeit mit der Post der Modellversuch eines ePatientendossiers mit dem Namen «e-toile» gestartet. Ende 2011 wurde der Pilot im Auftrag des Koordinationsorgans eHealth Suisse von der Berner Fachhochschule für Technik und Informatik evaluiert und als erster Modellversuch mit dem Label «Überregional – strategiekonform – mehrere Gemeinschaften 2011» ausgezeichnet. Mit dieser Auszeichnung wurde die volle Konformität der Lösung der Post mit der Strategie eHealth Schweiz bestätigt. Auch auf europäischer Ebene ist e-toile ein Vorreiterprojekt. Als erster Schweizer Pilot wurde e-toile an epSOS (European Patients Smart Open Services) angebunden. epSOS ist ein EU-weites Projekt mit dem Ziel, wichtige Gesundheitsdaten mit Einwilligung der Patienten in europäischen Versorgungseinrichtungen bei Be- darf zugänglich zu machen. e-toile betreibt den National Contact Point im Auftrag des Bundes und sichert so den Anschluss der Schweiz an die EU.

Erfolgreicher Pilotversuch

Nach Abschluss des Pilotversuchs wird eine Ausweitung auf das gesamte Genfer Kantonsgebiet angestrebt. Mit der erfolgreichen Durchführung des Genfer Modellversuchs e-toile hat die Post nicht nur die technische und organisatorische Machbarkeit eines elektronischen Patientendossiers bewiesen. Sie konnte aufzeigen, dass sie über das notwendige Know-how und die technische Expertise verfügt, um Pionierarbeit zu leisten und in einem hochkomplexen Umfeld nachhaltig finanzierte innovative Lösungen umzusetzen.

Weitere Modellversuche

Die Lösung für den Genfer Pilotversuch e-toile wird unter dem Namen «vivates» auch für weitere Modellversuche in weiteren Kantonen angeboten. Andere Regionen der Schweiz profitieren von den Erfahrungen in Genf. Der Kanton Tessin befasst sich beispielweise im Rahmen der

Initiative Rete sanitaria intensiv mit dem Thema eHealth. Ein Pilotversuch mit Krebspatienten auf der Basis der ePatientendossier-Lösung der Post vivates startet im Frühjahr 2013. Die technische Plattform ist identisch mit derjenigen von e- toile, gewährleistet dadurch die überregionale Interoperabilität und sichert eine gemeinsame Weiterentwicklung. Veröffentlicht 22.Mai 2013

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